Landratsamt bezieht Stellung gegen Stromautobahn
Stellungnahme gegen den Netzentwicklungsplan
Das Landratsamt Nürnberger Land wendet sich in einer Stellungnahme gegen den Netzentwicklungsplan – und damit gegen die Gleichstromtrasse Süd-Ost, gegen die sich bereits der Kreistag Nürnberger Land, Landrat Armin Kroder und die Bürgermeister der kreisangehörigen Gemeinden im Nürnberger Land sowie die Landräte der von der Starkstromtrasse betroffenen Landkreise in Resolutionen ausgesprochen hatten.
Als Fazit seiner Stellungnahme hält das Landratsamt fest: „Der Landkreis Nürnberger Land und seine Bürgerinnen und Bürger lehnen die geplante Starkstromtrasse ab. Vom Bau dieser Trasse bitten wir abzusehen. Wir setzen stattdessen auf eine sichere, saubere, bezahlbare, regenerative und regionale Stromerzeugung.“
Stellungnahmen zur Gleichstromtrasse kamen aus den Bereichen Tourismus, Regionalmanagement und Wirtschaftsförderung, aber auch vom Gesundheitsamt, dem Denkmalschutz sowie dem Umwelt- und Naturschutz. „Insgesamt handelt es sich um zu beachtende Aspekte, die der Planung vorgelagert und in der juristischen Abwägung nicht ohne Zwang überwindbar sind“, bekräftigt das Landratsamt in der Gesamtschau aller fachlichen Stellungnahmen.
So wird zum Beispiel eine Überspannung von Wohngebieten aus Gründen des Immissionsschutzes und der Gesundheitsvorsorge abgelehnt. Eine Aufrüstung der existierende Trasse bei Winkelhaid auf das geplante Hochspannungsnetz wird gesundheitlich kritisch gesehen. Sie widerspräche dem Minimierungsgebot für Belastungen durch elektromagnetische Felder für die Bevölkerung, konstatiert das Gesundheitsamt.
Wie in seiner ersten Stellungnahme gegen die Gleichstrompassage Süd-Ost macht das Landratsamt Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes geltend. Diese seien bei der geplanten Anlagenhöhe der Stromautobahnen weder ausgleich- noch ersetzbar, so dass den Geboten von Vermeidung und Minimierung nach dem Naturschutzgesetz ein besonderer Stellenwert zukomme: „Eine erhebliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes in weiten Teilen des Landschaftsschutzgebietes ist aufgrund der Anlagenhöhe und der exponierten Lage auf der Hochfläche (zwischen Schnaittach und Kirchensittenbach) gegeben.“ Diese Bedenken teilen die Bereiche Denkmalschutz, Tourismus und Regionalmanagement: „Die Gleichstromtrasse würde das Landschaftsbild durchschneiden und erhebliche Einschnitte in die Landschaft und Natur verursachen, was den derzeitigen Bemühungen des Landkreises Regionalmarketing zu betreiben, und die Region als attraktiven Standort zum Leben und Arbeiten zu vermarkten, zuwiderlaufen würde.“
Das Landratsamt Nürnberger Land weist in seiner Stellungnahme ferner darauf hin, dass Wissenschaftler, Naturschutzorganisationen, aber auch der Bayerische Ministerpräsident und die Bayerische Staatskanzlei die Stromautobahn nicht für notwendig halten. Auch der Übertragungsnetzbetreiber Amprion bezeichnet diese Leitung als überflüssig, wenn ergänzende lokale und regionale Versorgungseinheiten und -strukturen, beispielsweise mittels regenerativer Energien und Gaskraftwerken, aufgebaut werden. „Genau dies aber streben wir im Landkreis Nürnberger Land an“, betont das Landratsamt. Darüber hinaus bestehe der begründete Verdacht, dass zu einem überwiegenden Teil klimaschädlicher Kohlestrom durch diese Leitung transportiert werden solle. Dies stehe in eklatantem Widerspruch zu den Zielen der Energiewende.
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