Die Patente der globalen Automobilhersteller

Entwicklungen und Trends im Längs- und Querschnittvergleich 2006-2014

Patentveröffentlichungen der globalen Hersteller steigen auf den Rekordwert von 57.000.

Toyota bleibt Patent-Spitzenreiter gefolgt von Honda und GM. Volkswagen steigert die Patente um mehr als ein Drittel und rückt auf Rang 4 vor. Auch Daimler und BMW mit Zuwächsen

Patente liefern Hinweise auf neue technologische Schwerpunkte der Hersteller


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Die 18 globalen Herstellerkonzerne haben in den letzten Jahren ihre Patentaktivitäten im Vergleich zum Vorjahr deutlich verstärkt und in 2014 einen Rekordwert von über 57.000 Patentveröffentlichungen (im Folgenden: Patente1) generiert. Der Toyota Konzern bleibt mit einem globalen Anteil von 26 Prozent im Vergleich der Hersteller unangefochten Patentweltmeister vor Honda und General Motors. Mit einer enormen Steigerung von 35 Prozent rückt der Volkswagen Konzern auf Rang 4 der Patentrangliste vor und verdrängt damit Hyundai auf Rang 5. In die Top-10 gelangen ferner Nissan, Ford, Daimler, PSA und BMW. Das ist das Ergebnis einer Studie des Center of Automotive Management (CAM), das im dritten Jahr in Folge die Patentveröffentlichungen der 18 globalen Automobilhersteller untersucht hat. "Patente können als Frühindikatoren für Technologie- und Innovationstrends fungieren und ermöglichen Rückschlüsse auf die technologischen Strategien der Hersteller", so Studienleiter Stefan Bratzel.

Patenttrends der Automobilkonzerne

Das Thema Patent- bzw. IP-Schutz gewinnt in der Automobilbranche grundsätzlich an Bedeutung, wobei manche Hersteller ihre Aktivitäten im Vergleich zum Vorjahr weit über dem Branchenschnitt von rund 7 Prozent ausweiteten. Im Vergleich zum Vorjahr steigen die Patentveröffentlichung bei den deutschen Konzernen Volkswagen (+35 %), BMW (+29%) und Daimler (+15%) im zweistelligen Bereich. Auch der amerikanische Hersteller Ford (33%) und kleinere Automobilhersteller wie Jaguar Land Rover (Tata Motors), Mazda und Subaru zeigen zum Vorjahr hohe Zuwächse.

Demgegenüber sind bei manchen Herstellern gegenläufige Patenttrends auszumachen. Neben GM, bei denen auf hohem Niveau 8 Prozent weniger Patentveröffentlichungen generiert wurden, verzeichnet PSA nach einem Minus von 11 Prozent in 2013 auch in 2014 einen Rückgang von über 7 Prozent. PSA veröffentlicht eine vergleichsweise hohe Zahl an Patenten (Rang 9) dank des mehrheitlich gehaltenen Automobilzulieferers Faurecia, von dem 22 Prozent der PSA-Patente stammen. Während die Patentveröffentlichungen bei Faurecia sogar leicht zunehmen, gehen die Rückgänge alle auf das Konto des Mutterunternehmens. Sehr schwach ist die Patentlage zudem bei FiatChrysler, die im Ranking nur auf Rang 15 von 18 Herstellern landen. Von den gut 700 Patenten stammen dabei sogar zwei Drittel von den eigenen Lieferanten. Insgesamt gehen die Patentveröffentlichungen in 2014 um über 9 Prozent zurück, insbesondere Chrysler und Magneti Marelli zeigen sich schwächer.

In der längerfristigen Betrachtung spiegeln sich die enormen technologischen Veränderungen der Automobilbranche auch in stark gestiegenen Patentzahlen ab. Im Vergleich zum Jahr 2006 hat sich die Zahl der jährlichen Patentveröffentlichungen der 18 globalen Hersteller von 45.000 auf über 57.000 (2014), also um fast 30 Prozent erhöht. Im Langfristbereich stechen mit einer deutlich verstärkten Patentorientierung insbesondere Volkswagen, Ford und vor allem General Motors hervor. Im Vergleich zu 2006 haben sich die Patentveröffentlichungen bei Volkswagen und Ford mehr als verdoppelt und bei GM, von einem niedrigen Niveau kommend, fast verfünffacht, was im Vergleich zu den Nuller-Jahren auf eine höhere Relevanz von IP-Themen im Konzern hinweist. Auch chinesische Automobilhersteller setzen auf den Patentschutz. Der Volvo-Eigner Geely Konzern kommt etwa in 2014 trotz eines starken Rückgangs im Vergleich zum Vorjahr mit über 1500 Patenten immerhin auf Rang 11, wobei nur 117 von der schwedischen Tochter Volvo veröffentlich werden.

Veränderung der Technologieschwerpunkte: Beispiel Antrieb

Die Patente geben auch Hinweise auf veränderte technologische Schwerpunkte der globalen Hersteller. Im Antriebsbereich hat sich die Zahl der Patente im Jahr 2014 auf nahezu 13.300 (2006: +54%) erhöht, so dass jetzt rund 23 Prozent aller Patente der Hersteller dem Antriebsbereich zugeordnet werden können (2006: 19%). Während die Patenttätigkeit im konventionellen Bereich stagniert (ca. 2.000 Patente) entfallen auf alternative Antriebe mittlerweile 85 Prozent (2006: 75%) der Antriebspatente: Den höchsten Anteil macht dabei der Hybridbereich aus, wo die Zahl der Patente zwischen 2013 und 2014 um 13 Prozent auf beinahe 6.000 Patente steigt (44%). Patente der Hersteller auf dem Feld der Elektromobilität wachsen um rund 3 Prozent auf 4.300 (32%), während Patente im Bereich der Brennstoffzellentechnologie um 8 Prozent auf rund 1.200 zunehmen (vgl. Abb. 2).

Dazu Studienleiter Stefan Bratzel: "Die Patenttrends zeigen, dass viele Automobilhersteller in den letzten Jahren ihren Technologiefokus im Antrieb umbruchartig verändert haben. Sie suchen auch jenseits des Verbrennungsmotors jetzt intensiv nach technischen Lösungen im Bereich der Hybridantriebe und Elektromobilität."

Folgende Hersteller sind im alternativen Antriebsbereich im Jahr 2014 am patentstärksten:

  • Im Hybridbereich ist Toyota ist mit weitem Abstand der "Patentführer" und erhöht dennoch auch im Jahr 2014 seine Patentveröffentlichungen weiter auf jetzt 1.750 (+11%). Unter anderem weisen Hersteller wie GM, Hyundai, Ford und Volkswagen im Untersuchungszeitraum eine Vervielfachung der Patentveröffentlichungen im Hybridbereich aus.
  • Gleiches gilt für den Bereich der Elektromobilität, in dem neben den Japanern Toyota, Nissan und Honda jetzt auch GM, Hyundai und Volkswagen nach Patentveröffentlichungen ins obere Drittel aufgestiegen sind.
  • Im Bereich Brennstoffzelle weisen nur wenige Hersteller nennenswerte Patentaktivitäten auf: Im Jahr 2014 dominieren die japanischen Hersteller Toyota, Honda, Nissan sowie GM und Hyundai. Hier sind die deutschen Hersteller Volkwagen und BMW kaum vertreten.

Je Hersteller können auch markante Veränderung der Patentprofile im Antriebsbereich festgestellt werden: Während etwa Hyundai noch im Jahr 2006 fast 75 Prozent aller Patente im konventionellen Bereich veröffentlichte, konzentrieren die Koreaner mittlerweile ihre Patente zu 50 Prozent auf Hybrid- und zu gut 20 Prozent auf Elektroantriebe sowie zu 7 Prozent auf die Brennstoffzelle. Auf konventionelle Antriebe entfällt dagegen nur noch ein Patentanteil von 23 Prozent. Ähnlich bei Volkswagen: Entfielen in 2006 noch rund 50 Prozent auf konventionelle Antriebe, so werden nun beinahe 80 Prozent der Patente im alternativen Antriebsbereich generiert, wobei der Großteil auf Hybrid (47%) und Elektro (30%) entfällt, während dagegen Brennstoffzellenpatente (1,3%) kaum eine Rolle spielen (vgl. Abb. 3).

Nicht jedem Automobilhersteller gelingt es, mit Hilfe seiner Erfindungen und Patene auch kundenrelevante Innovationen zu generieren. Bei den japanischen Herstellern Toyota, Honda und Nissan zahlt in den letzten Jahren die hohe Patentstärke nicht in dem Maße auf deren Innovationskraft ein. Auffällig ist, dass bei den deutschen Herstellern und bei Ford die Steigerungen der Patenttätigkeit mit einer hohen Innovationskraft korreliert. Im CAMRanking der innovationsstärksten Automobilhersteller belegen diese Hersteller etwa im Jahr 2014 die ersten vier Plätze.

Die Patente der globalen Automobilhersteller - Anhang 1
Center of Automotive Management (CAM)